Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung

Die Kapelle ist lebendiger Mittelpunkt unserer Stiftung

Bezogen auf die architektonische Gestaltung unseres Hauses, ist die Kapelle vergleichbar einer „Ortsmitte“, einem Zentrum, wo alles zusammenläuft: Sie liegt genau in der Mitte unseres symetrisch angeordneten Barockgebäudes. Und was in der baulichen Gegebenheit schon begründet ist, erleben wir im übertragenen Sinn auch bezogen auf unseren Auftrag.

In der „Mitte“ unseres Selbstverständnisses lassen wir uns prägen vom christlichen Menschenbild mit seinen Werten und der Verpflichtung, menschliches Leben zu achten, schützen und wo Not ist, helfend zu begleiten.

Die Kapelle ist der Ort, wo wir für unsere Stiftungsgemeinschaft Gottes Segen erbitten.

Die Kapelle steht auch allen Stiftungsmitgliedern für persönliche religiöse Feste zur Verfügung. Unzählige Kinder wurden hier schon getauft oder haben das Fest ihrer ersten heiligen Kommunion gefeiert und viele Paare haben für ihre Ehe den Segen des guten Gottes erbeten. Und auch in unserer Trauer finden wir in der Kapelle zusammen, um unseren Glauben an den lebendigen Herrn, der unseren lieben Verstorbenen das ewige Leben schenkt, zu stärken.

Die Kapelle und der „Ahnensaal“ sind Orte, an denen Geschichte lebendig bleibt.

Am 23. Jan. 1764 erfolgte der erste Spatenstich zur Errichtung des Waisenhauses durch den Steeler Pfarrherrn Ahen und um einiges später legte die Stifterin Franziska Christine den Grundstein zur Kirche. Am 10. Juli 1769 war der Bau bis auf die Kapelle und die Nebengebäude so weit, dass er von der Baubehörde besichtigt und abgenommen werden konnte. Am 04. Dez. 1769 zogen die ersten Kinder in das Haus und am 28. Aug. 1770 wurden die Stiftskirche und der dazugehörige, gegenüber liegende Friedhof von Abt Anselm von Werden eingeweiht.

Die Fürstin Franziska Christine hat die Stiftskirche ganz bewusst ins Zentrum ihres Waisenhauses gestellt, um auch so baulich ihrer Stiftung zur höheren Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen Ausdruck zu verleihen. Des Weiteren hat Franziska Christine verfügt, dass sie ihre letzte Ruhestätte in der Kapelle, im Mittelpunkt ihres Hauses, finden möchte. Ebenfalls dort beigesetzt sind ihr Beichtvater und Jesuitenpater Nikolaus Marner und ihr Kammerdiener Ignatius Fortuna.

Das Stiftungsgebäude, sowohl die Front an der Steeler Straße wie auch die Hofseite, ist im Wesentlichen bis heute unverändert erhalten geblieben. Im Mittelteil ist sie etwa 83 m lang, die Seitenflügel sind je 34 m lang. Diese wurden 1906 im Innenhof durch die Spielhalle verbunden.

Über die Kapelle, die in den Mittelbau eingefügt ist und mit Chorraum rund 22 m Länge, 15 m Breite und 12 m Höhe hat, ist einiges mehr zu berichten:
Ihr aufstrebendes Mauerwerk ist 120 cm stark. Das Innere ist ausgestattet im Stil eines gemäßigten Barock: Altäre, Beichtstühle, Orgelprospekt sind handwerklich sorgfältig gearbeitet aus massivem Eichenholz, in den Schnitzereien den Übergang von Barock zum Rokoko andeutend. Die gut erhaltenen figuralen Werke sind Arbeiten des Meisters Joseph Feil aus Münster, der dort seit 1767 als Bildhauer für den großen Baumeister seiner Zeit in Westfalen, Joh. Konrad Schlaun, arbeitete, der u. a. das Fürstbischöfliche Schloss zu Münster und den berühmten Erbdrostenhof an der Salzstraße in Münster erbaute. Über den Beichtstühlen befinden sich vier aus Eichenholz geschnitzte Gruppen, welche die vier letzten Dinge des Menschen darstellen (Tod, Gericht, Himmel und Hölle). Der Hauptaltar wird flankiert von den Standbildern der Hl. Franziska und der Hl. Christine, den Namenspatroninnen der Fürstin.