Unsere Reise nach Rumänien (21.-26.06.2000) Einweihung des Francesca-Kinderheimes in Ciacova
Im Juni waren wir in Rumänien: wir, dass sind zwei junge Leute, die in der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung leben und eine Frau, die als Erziehungsleiterin in der Stiftung arbeitet. Der besondere Anlass unserer Reise war die Einweihung des neuen Kinderheims in Ciacova. Klar, dass eine Delegation aus unserer Stiftung bei diesem Fest nicht fehlen durfte. Denn wie ihr wisst, gibt es schon seit Jahren den Förderverein „Kinder in Not – Rumänienhilfe e.V.", der regelmäßig Hilfe nach Ciacova sendet und den Bau des Kinderheims ermöglichte.
Nachdem unser Flugzeug in Timisoara (Temesvar) gelandet war, fühlten wir uns, wie in einer anderen Welt. Wir sahen sofort, dass Rumänien ein armes Land ist: viele Straßen sind kaputt, die Häuser müssten dringend renoviert werden, den Menschen fehlte es an fast allem. Handys, Walkmans oder Armbanduhren sind für viele rumänische Jugendliche nahezu unerreichbare Dinge.
Stellt Euch vor: Ein Rumäne, der Arbeit hat, verdient im Monat umgerechnet DM 150 bis 180 (ein Liter Benzin kostet DM 1,-, ein Kilo Brot kostet etwa einen Stundenlohn...). Auf dem Weg vom Flughafen nach Ciacova sahen wir eine riesige Müllkippe, auf der Erwachsene und Kinder (!) Verwertbares sammelten, z. B. Metalle oder Papier. Wir konnten kaum glauben, was wir sahen.
Schließlich kamen wir in Ciacova an und bezogen unsere Zimmer im Altenheim der Caritas. Es war unglaublich heiß, ca. 40°C. Georg Kobor, Priester, Caritas Direktor von Ciacova und „Allround-Talent" empfing uns superherzlich. Und das sollte auch so weitergehen: wir wurden überall, wo wir waren, freundlich und herzlich empfangen.
Georg Kobor und seine Mitarbeiter/innen haben für die Menschen in Ciacova sehr viel Gutes getan. Er sorgte dafür, dass (mit deutscher Hilfe) eine Bäckerei und eine Metzgerei entstanden. Es wird Wert darauf gelegt, dass vom Rohstoff bis zum Endprodukt alles aus einer Hand hergestellt wird, damit keine Geldverluste durch Unterhändler entstehen. Nimmt man alles zusammen, also Bäckerei (unser Förderverein besorgte den Backofen), Metzgerei, Kleiderkammer, Maschinenhof, Viehhaltung usw. – kann man sagen, dass die Initiative täglich etwa 10.000 Menschen in Ciacova und Umgebung mit Lebenswichtigem versorgt. Die Menschen sind Georg Kobor deshalb sehr dankbar und überall leuchten die Augen auf, wenn der Name Kobor fällt.
Wenn man die große Not in Rumänien sieht, ist die Arbeit der Caritas in Ciacova ein wirkliches Hoffnungszeichen und wir sahen, dass wirklich jedes Teil aus unseren Hilfskonvois und jede Mark, die durch den Förderverein gesammelt wird, den Menschen direkt zugute kommt.
In dem neu erbauten Kinderheim können 12 Kinder leben. Es gibt einen Schlafraum für sechs Jungen und einen Schlafraum für sechs Mädchen. Wir waren sehr erstaunt, dass so viele Kinder in einem Raum schlafen werden – aber für rumänische Verhältnisse ist dieses Kinderheim nahezu „luxuriös" und vorbildlich. Abgesehen von den großzügigen Räumlichkeiten (großer Tagesraum, Küche, Badezimmer – eben alles, was eine Kinderheimgruppe so braucht), werden die Kinder durch eine ausgebildete Erzieherin betreut werden: diese Frau wird als „Hausmutter" mit den Kindern leben, also Tag und Nacht bei ihnen leben.

